Freitag, 05. August 2016 Kategorie: 2015/16

„Was du nicht willst, das man dir tu…“ oder: „Wie wollen wir miteinander umgehen?“

Die Albertville-Realschule als Weltethos-Schule


Die Welt scheint auseinanderzudriften, das Trennende in den letzten Wochen und Monaten mehr im Mittelpunkt zu stehen, als das die Menschen Verbindende.

Gemeinschaften benötigen von allen getragene Grundwerte für ein friedliches Miteinander. Das gilt für die Gesellschaft im Allgemeinen, wie für das Zusammensein an unserer Schule. Es ist dabei gar nicht so schwierig herauszufinden, dass alle philosophisch-humanistischen Gedanken und Religionen, die aktuell besonders in der Kritik stehen, das Friedliebende und Gemeinsame hervorheben.

Die Idee des Weltethos mit der ihm innewohnenden Goldenen Regel soll für die Albertville-Realschule ein weiterer und grundlegender Schritt auf dem Weg zu einem sorgsamen Miteinander sein.

Die Vorgeschichte…

Im Rahmen des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2015 wurde die Albertville-Realschule auf die Stiftung Weltethos aufmerksam. Der Informationsstand von der Ökumenischen Schulgemeinschaft befand sich auf dem „Markt der Möglichkeiten – Gelebte Ökumene“ (Bad-Cannstatt) in unmittelbarer Nähe des Weltethos-Standes und so kamen der Koordinator der Stiftung Weltethos, Herr Lange, und der Leiter der ökumenischen Schulgemeinschaft, Herr Rupp, ins Gespräch. Schnell wurden zahlreiche Übereinstimmungen der Werte- und Moralvorstellungen festgestellt. Nur einige Tage später durfte die Albertville-Realschule  Herrn Lange in Winnenden empfangen, ihm die schulische Arbeit zur Vermittlung von Werten und zur Friedenserziehung vorstellen und in einem ausführlichen Gespräch mit den Lehrkräften der Ökumenischen Schulgemeinschaft und der Schulleitung die Ziele und Aktivitäten der Stiftung näher kennenlernen. Herr Lange konnte sich bei einem Rundgang durch das Schulhaus nicht nur die besonderen Räume der Albertville-Realschule (Gedenkraum für die Opfer des Amoklaufs, Raum der Stille und Schulseelsorge, Bibliothek mit Kondolenzschreiben, Foyer mit Projektpräsentationen,…) ansehen, sondern sich darüber hinaus einen gründlichen Einblick in die praktische Umsetzung der Vermittlung von Werten an unserer Schule verschaffen. Im Weiteren wurde mit Herrn Lange die konkrete Planung einer Ausstellung zu den Weltreligionen besprochen, die dann vom 11. November 2015 bis zum 25. Januar 2016 im Foyer der Albertville-Realschule gastierte.

Die Bewerbung…

Das besondere Engagement der Ökumenischen Schulgemeinschaft und die intensive Projektarbeit zur Gewaltprävention stehen  in einem direkten Zusammenhang mit der traurigen Geschichte der Albertville-Realschule. Am 11. März 2009 erschoss ein ehemaliger Schüler der Albertville-Realschüler acht Schülerinnen und einen Schüler, zwei Referendarinnen und eine junge Kollegin. Auf der Flucht brachte er drei weitere Menschen um, am Ende sich selbst. Dieses schreckliche Ereignis hat Narben hinterlassen. Der Verlust von Freunden, Kindern und Kolleginnen und die Grausamkeit der Tat waren für die Schulgemeinschaft unbegreiflich. Der Wunsch der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte nach Gemeinschaft war nach diesem einschneidenden Ereignis sehr groß. Schnell entstand die Ökumenische Schulgemeinschaft der Albertville-Realschule mit dem Ziel, sich in der Betroffenheit gegenseitig zu stützen und Trost zu spenden. Sie setzte sich im Wesentlichen aus Schülerinnen und Schüler sowie Religionspädagogen der Albertville-Realschule zusammen. Gemeinsam mit Psychologen und Seelsorgern kümmerte man sich zunächst um die direkt betroffenen Schülerinnen und Schüler und versuchte, diesen wieder Halt und Zuversicht zu geben.

Nach dem Amoklauf verlor die Schulgemeinschaft vorübergehend ihre schulische Heimat. So wurden Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte mehr als zwei Jahre lang in Containern untergebracht, damit weiterhin Unterricht stattfinden konnte. In dieser Zeit setzte sich das Kollegium intensiv mit Fragen der Gewaltprävention, des Gedenkens an die Opfer und einer Stärkung der Gemeinschaft auseinander. Aus der Katastrophe sollte eine neue Hoffnung, ein neues Ziel entstehen. In Zusammenarbeit mit Eltern der Opfer, betroffen Klassen, Pädagogen, nicht betroffenen Klassen und Eltern sowie der Schulleitung gestaltete die Albertville-Realschule in der Folge einen Gedenkraum für die Opfer des Amoklaufs. Mit der Gestaltung des Gedenkraumes erfolgte eine Grundsatzdiskussion über Formen des Gedenkens, dem pädagogischen Auftrag im Bereich der Friedenserziehung und Gewaltprävention sowie der gegenseitigen Wertschätzung. Hieraus ergab sich ein Arbeitsauftrag an die Schulgemeinschaft, der sich in der Arbeit der Ökumenischen Schulgemeinschaft, der Arbeitsgemeinschaft „Raufclub“, der Schülerfirma Klamottenkiste, der internationalen Zusammenarbeit mit Schulen Europas, der Türkei und den USA sowie der Vernetzung mit sozialen Einrichtungen und der Kirche widerspiegelt. Die Ökumenische Schulgemeinschaft wandelte sich mit ihren unterschiedlichen Aufgaben von einer „Schicksalsgemeinschaft“ hin zu einer „Sinngemeinschaft“. Sie organisiert heute zahlreiche Projekte im sozialen, kulturellen und religiösen Bereich. Hierzu zählt beispielsweise die Unterstützung eines Hilfsprojektes für obdachlose Schulkinder in Namibia (Einrichtung einer Suppenküche, Spenden durch Eigeninitiative der Schülerschaft), die Gestaltung von Nachmittagen in Seniorenheimen, die Durchführung von Veranstaltungen zum Umgang mit Trauer, die Kooperation mit Kinder- und Jugendhospizdiensten (Rems-Murr-Kreis), Besinnungswochenenden mit ehemaligen und betroffenen Schülerinnen und Schülern, Pilgerreisen und interreligiöser Austausch sowie schulseelsorgerische Betreuung von Schülerinnen und Schülern.

Gemeinsam mit Pädagogen und Schülern wurde ein weiterer, besonderer Raum an der Schule gestaltet. Er bietet die Möglichkeit zur Besinnung, zum Austausch, zum Gebet und zu Konfliktgesprächen. Ebenso stehen hier Materialien zu den Themen Trauer, Weltreligionen, Toleranz, Entspannung und Dokumentationen der bisher geleisteten Projektarbeit zur Verfügung.

Im Rahmen der Stundentafel wurde nach dem Amoklauf eine Pädagogische Stunde verankert. In ihr wird ein Sozialcurriculum zur Vermittlung von Werten und Normen umgesetzt. Ebenso werden aktuelle Konflikte thematisiert und mit Hilfe eines Pädagogen oder der Schulsozialarbeit gelöst.

Auf dem Weg zur „Weltethos-Schule“…

Der Gedanke des Weltethos ist bereits in vielen Aspekten der Schulleitlinien und zahlreichen Projekten der Albertville-Realschule verankert. Er trifft also auf einen fruchtbaren Boden, in dem er nun weiter gedeihen und sich entfalten kann. Ein Arbeitskreis „Weltethos“ soll diese Arbeit unterstützen und neue Ideen entwickeln. Man darf gespannt sein!

Willkommen in der bunten Gemeinschaft der Albertville-Realschule!

 

Zertifizierung der Albertville-Realschule zur „Weltethos-Schule“..

·         „Zur Weltethos-Schule ernannt“ - Die Albertvilleschule befasst sich aus besonderer Betroffenheit heraus mit Werten und Grundsätzen (WN Zeitungsartikel vom 25. Juli 2016)

·        Vorstellung der ökumenischen Schulgemeinschaft (Michelle & Robin)

      Festtrede zur offiziellen Zertifizierung der ARS zur „Weltethos-Schule“ (Dr. Schlensog, Generalsekretär der Stiftung Weltethos)


Zum Gedenken an
die Opfer des
11. März 2009

Weltethos-Schule

Bilingualer Zug

Comenius-Projekt

Friedensprojekte

 

 

Afrika-Projekt

Afrika-Spende